Private Nachrichtendienste sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Dieses Fachbuch erklärt dem Leser, wie (s)ein Nachrichtendienst aussehen kann.
Der Autor möchte das bisher nur Wenigen zugängliche Wissen über Spionagetechniken der breiten Masse näher bringen. In vielen Bereichen kann die zuverlässige Informationssammlung von enormer Bedeutung sein. Wer in einer eher feindlichen Umgebung aktiv ist, wie z.B. Hilfsorganisationen, muss ständig auf dem aktuellen Stand sein.
Erwerben Sie das Buch hier:
Wissen als Schutz
Zudem schützt das Wissen um Spionagetechniken davor, Opfer dieser Überwachung zu werden. Wer genau weiß, wie Nachrichtendienste an ihre Informationen kommen, der weiß auch, wie er sich gegen deren Mittel schützen kann. Das Buch beschreibt keinen bestehenden Nachrichtendienst, sondern vielmehr einen Nachrichtendienst, wie Sie selbst Ihn gründen könnten.
Für Firmen, die Niederlassungen in Krisengebieten oder instabilen Staaten haben, kann es von existenzzieller Bedeutung sein, einen eigenen Nachrichtendienst zu errichten. Das Buch wertet offen zugängliche Quellen aus und bietet viel substantielle Informationen.
Weitere Bücher zum Thema
Leseprobe
Inhaltverzeichnis
- Vorwort
- 1 Einführung
- 2 Grundlagen
- 2.1 Daten, Information, Wissen
- 2.2 Datenbanken
- 2.2.1 Die Dokumentation
- 2.2.2 Die Personendatenbank
- 2.2.3 Sonstiges
- 2.3 Interne Berichterstattung
- 2.4 Kommunikation
- 2.4.1 Steganographie
- 2.4.2 Verschlüsselung
- 2.4.3 Kommunikationswege
- 2.5 Sicherheit/Abwehr
- 2.6 Personal
- 3 Steuerung
- 4 Informationsbeschaffung
- 4.1 Stufe 1 – Suche nach vorhandenen Informationen
- 4.2 Stufe 2 – Suche in offenen Quellen
- 4.2.1 Internet
- 4.2.2 Bibliotheken, Archive, Dokumentationsstellen
- 4.2.3 Massenmedien
- 4.2.4 Luft- und Satellitenbilder
- 4.3 Stufe 3 – Aktivitäten vor Ort
- 4.3.1 Fotos
- 4.3.2 Überwachung der nicht drahtgebundenen Kommunikation
- 4.3.3 Gesprächsaufklärung
- 4.3.4 Nehmen von Proben
- 4.4 Stufe 4 – Teilweise Durchdringung des Zielobjekts
- 4.4.1 Maßnahmen zur Eigensicherung
- 4.4.2 Drohneneinsatz
- 4.4.3 Überwachung der drahtgebundenen Kommunikation
- 4.4.4 Überwachung von Wohnungen und Büros
- 4.4.5 Social Engineering
- 4.5 Stufe 5 – Vollständige Durchdringung des Zielobjekts
- 4.5.1 Voraussetzungen
- 4.5.2 Undercovereinsatz
- 4.5.3 Einbruch
- 4.5.4 Arbeit mit Agenten
- 4.5.5 Informanten
- 4.5.6 Liaison
- 4.5.7 Gegenspionage
- 4.6 Operative Unterstützung
- 5 Bearbeitung der Informationen
- 5.1 Bearbeitung von Informationen aus offenen Quellen
- 5.1.1 Datamining
- 5.1.2 Untersuchung von Websites
- 5.1.3 Bearbeitung und Auswertung von Luft- und Satellitenbildern
- 5.2 Dokumente
- 5.2.1 Bearbeitung von Dokumenten
- 5.2.2 Untersuchung von Dokumenten
- 5.3 Bearbeitung von Audiodateien
- 5.4 Kryptoanalyse
- 5.4.1 Entschlüsselung monoalphabetischer Chiffren
- 5.4.2 Entschlüsselung polyalphabetischer Chiffren
- 5.4.3 Hinweise
- 5.5 Bewertung von Informationen
- 6 Auswertung
- 6.1 Grundlagen
- 6.2 Frühwarnung
- 6.3 Weitere Analyseverfahren im Überblick
- 6.3.1 Was ist?
- 6.3.2 Warum ist es?
- 6.3.3 Was kommt?
- 7 Berichte
- Quellen
Vorwort
Schon wieder ein Buch über Nachrichtendienste?! Damit ist der Markt doch
nun wirklich überschwemmt … Formal gesehen ist das richtig, nur beschreibt
dieses Werk nicht irgendeinen, sondern Ihren künftigen Nachrichtendienst.
Ich möchte nicht so weit gehen und von einem Lehrbuch sprechen.
Die Publikation bewegt sich irgendwo zwischen einem Fach- und einem
Sachbuch. Es wird Ihnen auf die eine oder andere Art helfen.
An wen richtet sich dieses Buch? In unserer sich globalisierenden Welt verschwimmen
und verschwinden nicht nur die Grenzen, auch die Rolle des
Staates wird ihre Bedeutung einbüßen. Der Staat zieht sich immer mehr von
Aufgaben zurück, die ihn nicht eigentlich betreffen. Andere Staaten in der so
genannten dritten Welt destabilisieren sich und zerfallen mitunter. Ausländische
Unternehmen, die sich vor Ort befinden, beauftragen Söldnerfirmen mit
dem Schutz ihrer Produktionsanlagen. Besagte Sicherheitsfirmen verfügen
natürlich über eigene Aufklärungskapazitäten, doch sollten Unternehmen in
Krisenregionen (und nicht nur dort) dem Nachrichtendienst immer eine hohe
Aufmerksamkeit zollen.
Das Buch wendet sich aber nicht nur an Unternehmen in einer potenziell
feindlichen Umgebung, sondern soll auch im Bereich der Spionageabwehr
eine wichtige Funktion übernehmen: Nur wenn man die Angriffstechniken
der Konkurrenz kennt, ist man in der Lage, sie abzuwehren. Gerade in kleinen
und mittleren Unternehmen ist man sich der Gefahr nicht bewusst; man
lebt dort im Glauben, dass das eigene Unternehmen zu unbedeutend wäre
um ausgespäht zu werden. Diese Annahme ist jedoch schlicht falsch.
Natürlich ist dieses Buch für Angehörige aller Institutionen gedacht, die im
Ausland eingesetzt sind. Ob es sich um eine Hilfsorganisation handelt, einen
staatlichen oder privaten Akteur: In einer nicht immer freundlichen Umwelt
müssen ständig Informationen gesammelt werden.
Des Weiteren dient das Buch der Allgemeinbildung. Spionagetechniken sind
noch immer Herrschaftswissen. Das wird sich hoffentlich mit diesem Werk
ändern. Wir leben schließlich in einer demokratischen Gesellschaft. Darüber
hinaus soll mit dieser Publikation verdeutlicht werden, wie wenig das Spionagegeschäft
mit seiner Darstellung in diversen Romanen und Filmen zu tun
hat.
Angesichts des durch das BKA-Gesetz ausgehebelten Informantenschutzes
könnte für Journalisten vielleicht das Kapitel 4.5.4 Arbeit mit Agenten von
Interesse sein.
Um die Frage vorwegzunehmen: Ich stehe nicht in Verbindung zu Angehörigen
irgendwelcher Nachrichtendienste. Es gibt Autoren, die das tun
(oder zumindest behaupten) und trotzdem wenig Substanzielles veröffentli8
chen. Dieses Buch entstand durch die Auswertung von offen zugänglichen
Quellen. Wie Sie bald feststellen werden, sind diese erstaunlich ergiebig.
Um den Rahmen des Buches nicht zu sprengen, habe ich einen großen Themenbereich
weggelassen: Das Hacken von PCs. Literatur zu diesem Gegenstand
gibt es jedoch reichlich.
Im Interesse der Verständlichkeit wird ausschließlich die männliche Variante
benutzt, wenn von Personen die Rede ist (z. B. „Agent“ und nicht „Agent/in“
oder „AgentIn“).
Das Buch entstand zwischen 2007 und 2010, gleichsam nebenbei. Aber auch
wenn sich andere Dinge als wichtiger darstellten, wollte ich nicht von diesem
Projekt lassen. In diesem Zusammenhang danke ich meiner Frau für ihr
Verständnis, ihre Engelsgeduld und letztendlich auch für ihre Unterstützung.
Mein besonderer Dank gilt Herrn Michael Radtke und seinem Team von der
ALONMA GmbH (www.alarm.de) für die Fotos diverser Ausrüstungsgegenstände.
Da nur sehr kleine Katalogfotos zur Verfügung standen, waren
sie so freundlich, extra für dieses Buch größere Aufnahmen anzufertigen.
1 Einführung
Nichtstaatliche Nachrichtendienste sind kein neues Phänomen. So gab es in
der Weimarer Republik in der Wirtschaft, in Parteien, Organisationen und
Verbänden nachrichtendienstliche Strukturen. (Kaufmann 1993, S. 11)
Bevor Sie an den Aufbau Ihres Nachrichtendienstes gehen, sollten Sie sich
die Frage stellen, welchen Zweck Sie damit verfolgen. Möchten Sie sich
möglichst zeitnah mit der politischen Entwicklung auseinandersetzen? Brauchen
Sie ein Frühwarnsystem? Benötigen Sie Informationen über die Urheber
einer Schmutzkampagne gegen Sie oder Ihr Unternehmen?
Wenn Sie mit dem Beschaffen von Informationen Geld verdienen möchten,
befinden Sie sich in einem Markt, der rapide wächst. Speziell in angelsächsischen
Ländern gibt es Unternehmen, die man als private Nachrichtendienste
bezeichnen kann, zumal sie oft ehemalige Angehörige staatlicher Geheimdienste
beschäftigen. Besagte Unternehmen arbeiten nicht nur für private,
sondern auch für staatliche bzw. internationale Organisationen, wie z. B. die
UNO. Im Bereich der Auswertung von offenen Quellen könnte diese Entwicklung
zu einer spürbaren Entlastung staatlicher Nachrichtendienste führen,
in Anbetracht der Tatsache, dass sich die Quantität öffentlich zugänglicher
Informationen in den letzten Jahren vervielfacht hat. (Harbich 2006, S.
67ff.) Suchen Sie Ihre Kunden unter den Staaten, Behörden, Organisationen
oder Firmen, die sich einen eigenen Nachrichtendienst nicht leisten können
oder wollen oder die nur gelegentlich spezielle Informationen benötigen.
Legen Sie fest, wie weit Sie gehen wollen. Das betrifft den finanziellen und
personellen Aufwand, aber auch die juristischen Konsequenzen. Je nach
Land sind diese mitunter sehr verschieden. Aus diesem Grund kann hier
nicht darauf eingegangen werden. Wenn Sie etwas Illegales tun, werden
Sie die Konsequenzen tragen. Der Autor lehnt jede Verantwortung ab.
Aufgabe eines Nachrichtendienstes ist das Beschaffen von Informationen.
Das geschieht mithilfe verschiedener Methoden, die für gewöhnlich in drei
Bereiche eingeteilt werden: OSINT, HUMINT und TECHINT.
OSINT
Die Abkürzung OSINT steht für Open Source Intelligence. Gemeint ist die
Nutzung von offenen Quellen, also von allem, was offen publiziert wurde:
Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel, Homepages, Fernseh- oder Radiosendungen,
Statistiken, Nachschlagewerke etc.
HUMINT
Human Source Intelligence: Nutzung von menschlichen Quellen.
TECHINT
Technical Intelligence: Nutzung von technischen Einrichtungen. TECHINT
wird eingeteilt in:
- SIGINT: Signal Intelligence (Nutzung elektronischer Signale); teilt
sich wiederum auf in: COMINT (Communication Intelligence): Überwachung
von Fernmeldeverbindungen; ELINT (Electronic
Intelligence): Abfangen elektromagnetischer Wellen sowie COMPINT
(Computer Intelligence): Einbruch in fremde IT-Systeme.
- IMINT: Imagery Intelligence (Bildaufklärung); wird eingeteilt in
PHOTINT (Photographic Intelligence) und SATINT (Satellite Intelligence).
- MASINT (Measurement and Signature Intelligence): Nutzung von
Radar, geophysikalischen Sensoren etc. (Harbich 2006, S. 10 und
Rolle 2005, S. 20)
60-65 Prozent der Informationen werden durch die Auswertung offener
Quellen gewonnen, ca. 25 Prozent durch TECHINT, 5-10 Prozent durch
Liaison (d. h. durch Kontakte mit anderen Nachrichtendiensten) und 2-4
Prozent durch HUMINT. Die Nutzung menschlicher Quellen ergibt die
wichtigsten Informationen. (Ostrovsky 2000, S. 116)
Den verschiedenen Methoden waren die Strukturen klassischer Nachrichtendienste
angepasst. So gliederte sich z. B. der Bundesnachrichtendienst
(BND) in acht Abteilungen:
- Abteilung 1 Operative Aufklärung (HUMINT)
- Abteilung 2 Technische Beschaffung
- Abteilung 3 Auswertung
- Abteilung 4 Steuerung und zentrale Dienstleistungen
- Abteilung 5 Operative Aufklärung und Auswertung in den Bereichen
- Organisierte Kriminalität und internationaler Terrorismus
- Abteilung 6 Technische Unterstützung
- Abteilung 7 Schule des BND
- Abteilung 8 Sicherheit, Geheimschutz und Spionageabwehr. (Rolle 2005,
S. 53)
Nun wurde die Struktur des BND zum 1. Januar 2009 verändert. Besucht
man die Homepage der Behörde (http://www.bnd.de), stößt man auf die neue
Gliederung. Dem Präsidenten des BND unterstehen, neben seinen drei Stellvertretern,
der Controlling-Abteilung und dem Leitungsstab, folgende Abteilungen:
- Abteilung Gesamtlage/Führungs- und Informationszentrum. Aufgaben:
Koordinierung, Steuerung, Verbindung.
- Abteilung Unterstützende Fachdienste: Beschaffung offener Informationen
und geographischer Daten, Auswertung von Satellitenund
Luftbildern.
- Abteilung Einsatzgebiete/Auslandsbeziehungen: HUMINT, Liaison.
- Abteilung Technische Aufklärung: TECHINT.
- Abteilung Regionale Auswertung und Beschaffung A und B: Formulierung
von Beschaffungsaufträgen, Auswertung.
- Abteilung Internationaler Terrorismus und Organisierte Kriminalität:
Aufklärung und Auswertung in diesen Bereichen.
- Abteilung Proliferation, ABC-Waffen, Wehrtechnik: Aufklärung
und Auswertung in diesen Bereichen.
- Abteilung Eigensicherung: Sicherheitsaufgaben.
- Abteilung Technische Unterstützung: Laboruntersuchungen, IT.
- Abteilung Technische Entwicklung: Entwicklung technischer Systeme,
Softwareentwicklung.
- Zentralabteilung: Verwaltung, Finanzplanung, Personalwesen, Ausbildung.
Im Gegensatz zur alten Struktur orientiert sich der Aufbau der Abteilungen
offensichtlich konsequenter an den Sachgebieten. Wie es scheint, hat man
sich mit der Reform Zeit gelassen: Durch die Änderungen der weltpolitischen
Situation seit 1990 hätte diese Umstrukturierung bereits vor 15 Jahren
nicht geschadet.
Vermutlich wird sich Ihr Nachrichtendienst eher an eine Organisation der
Informationsgesellschaft anlehnen und weniger an die alte Struktur einer
Organisation der Industriegesellschaft. Folgende Tabelle verdeutlicht den
Unterschied:
|
Industriegesellschaft |
Informationsgesellschaft |
| Vorherrschendes
Organisationsmuster: |
Hierarchie |
Netzwerk |
| Hierarchiestufen: |
viele |
wenige |
| Arbeitsteilung: |
weit reichend |
gering |
| Stellung des Mitarbeiters: |
austauschbar; gehorsam;
angepasst |
engagiert; loyal; gut
informiert; selbstständig |
| Vernetzung: |
gering |
hoch |
| Arbeitsabläufe: |
streng geregelt; starre
Abteilungen und
Zuständigkeiten |
flexibel; ad-hoc-
Kommitees; Projektorganisation
auf Zeit |
| Einfluss und Macht: |
abhängig von Hierarchiestufe |
abhängig von Wissen
und Können |
| Umfang der Mitwirkung: |
gering |
groß |
| Ausrichtung der
Organisation: |
Betriebswirtschaftlich |
Eigeninteresse; Betrieb
und Gemeinschaft |
| Wichtigstes Ziel: |
Output maximieren |
Nutzenoptimierung |
| Informationsfluss: |
indirekt, über Hierarchiestufen |
direkt, im Netzwerk |
| Informationsqualität: |
Qualitätsverlust wegen
vieler beteiligter
Stellen |
hohe Qualität durch
wenige beteiligte
Stellen |
Tabelle 1: Organisationsprinzipien (Schwimm; Schnider 2002, S. 8).
Personalhinweis: Für die Organisation Ihres Nachrichtendienstes sind Betriebswirtschaftler
oder Organisationssoziologen bzw. -psychologen geeignet.